Gesangsunterricht im Herzen Berlins mit Mike Hellmich |
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Stimme und Stimmfunktion
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Um ein Profi im Gesang zu sein, sollte man sich mit den Stimmfunktionen, den Anatomischen sowie auch den feinstofflichen Abläufen befassen. Wie und wo entsteht ein Ton? Wie funktioniert eine gesunde und natürliche Atmung? Wie steigere ich meine Eigenwahrnehmung um den Ton richtig führen zu können und wie setze ich sinnvoll meinen ganzen Körper zum Singen ein? Die Atmung Anatomie Die Luftröhre ist ein ca. 12 cm langer Schlauch, der den Rachenraum mit der Lunge verbindet und sich am unteren Ende in die Bronchien aufspaltet, welche sich weiter verästeln, um die Luft besser verteilen zu können. Die Lungen sind paarig angeordnete, schwammige Organe, die beim Einatmen gedehnt werden und sich beim Ausatmen durch die Rückstellkraft des elastischen Materials passiv wieder zusammenziehen, vergleichbar einem Luftballon. Jeder Lungenflügel ruht in einem Sack, dem Lungenfell, welches, nur durch den Pleuraspalt getrennt, am Brustfell anliegt. Dieses wiederum ist mit dem Zwerchfell und der Innenseite der Brustwand verwachsen. Das Zwerchfell ist ein kuppelförmiger Muskel, der Brust- und Bauchhöhle voneinander trennt. Es ist der wichtigste Einatemmuskel, denn es kann das Volumen der Brusthöhle um bis zu 80% vergrößern. Wie funktioniert nun eigentlich die Atmung? Bei der Ausatmung wird das Zwerchfell durch die vorher abwärts verdrängten Eingeweide, die jetzt den Druck wieder zurückgeben, aufwärts oben in seine kuppelförmige Ausgangsstellung geschoben. Der gehobene und erweiterte Brustkorb folgt der Schwere und kehrt in seine ursprüngliche Lage zurück, wodurch der Brustkorb verkleinert und zugleich die Lunge ausgepresst wird. Die Bauchdecke wird wieder flach, und auch die Flanken bewegen sich in ihre normale Position zurück. Die ruhige Ausatmung ist ein weitgehend passiver Vorgang, bei dem der Brustkorb durch elastische Rückstellkräfte in seine Ausgangsstellung zurückgeführt wird. Damit sich die Atmung von alleine vollziehen kann, dürfen wir alle Muskelabläufe nur mit so viel Aufwand ausführen, wie tatsächlich nötig ist. Sobald wir irgendwo im Körper überspannt sind (zu entspannt sind heutzutage nur sehr wenige Menschen), werden die Atmung, die gesamte Bewegungskoordination und die Resonanz beeinträchtigt durch den Exzess-Sauerstoff, den der Körper nicht mehr ohne weiteres abbauen kann. So entstehen spürbare Verhärtungen, die u.a. den Körperklang beeinträchtigen. Jede kleinste Überspannung, egal welchem Muskel wir sie zumuten, blockiert
Eine gute Übung für die Atmung ist, sich aller seiner überspannten Bewegungen und Haltungen im Alltag bewusst zu werden, und jede noch so kleine Alltagsroutine nur mit so viel Aufwand auszuführen, wie nötig ist für eine bestimmte Bewegung. Wenn wir nur jeden Tag eine halbe Stunde Übungen für Atmung und Stimme ausführen, aber unseren Körper den Rest des Tages schlecht behandeln, können wir uns die Übungszeit gleich sparen. Aber wenn wir den ganzen Tag im Wohlgefühl schwelgen, das uns eine ausgeglichene Bewegungskoordination schenkt, werden wir auch alle Stimmübungen mit Leichtigkeit und zum besten Nutzen verfeinern.
a) Luftröhre (Glasröhrchen) Bei Vergrößerung des Volumens der Glasglocke durch Herunterziehen der Gummimembran unten (Zwerchfell) kann das zusätzliche Volumen nur durch Luft ersetzt werden, die durch das Glasröhrchen oben in die Ballons hinein strömt und diese "aufbläst". Der Kehlkopf Funktion Funktionsschema des Kehlkopfs
1) Kehldeckel Unterdruckfunktion Überdruckfunktion Stimmfunktion - Wie entsteht nun der Ton?
Der Vokaltrakt
Anatomie und Funktion Eine erste Zusammenfassung Fassen wir noch einmal zusammen: Die Stimmfunktion ist eine Systemeinheit bestehend aus
Diese drei Teilfunktionen stehen in Wechselwirkung zueinander. Ziel ist es, die drei Teilsysteme optimal aufeinander abzustimmen. Wer sich die bisher genannten anatomischen Gegebenheiten vor Augen führt, wird verstehen, dass die menschliche Stimme ein recht kompliziertes und empfindliches System ist, das sich nicht nur auf ein Organ, den Kehlkopf, beschränken läßt. Schon im engeren Umfeld, dem Rachen- und Mundraum existieren vielfältige Abhängigkeiten. Berücksichtigen wir noch die Tatsache, dass alle Atemmuskeln mit Ausnahme des Zwerchfells gleichzeitig Körperhaltungs- und Bewegungsmuskeln sind, so wird vielleicht noch eher klar, welche Zusammenhänge gerade zwischen Bewegung und Stimme bestehen: Jede scheinbar noch so unbedeutende Bewegung (z.B. das Drehen der Daumen) hat Auswirkungen bis hinein in den Kehlkopf. Beispielsweise werden Muskelaktivitäten von Laien- und von Berufssängern bewußt eingesetzt, um Einfluß auf die Stimme zu nehmen (man denke nur an die Anweisungen "In die Maske singen!", "Lächeln!", "Zwerchfell unten halten!", "Po Zusammenkneifen!" u.ä.). Diese Maßnahmen können zwar vorübergehend und für eine begrenzte Tonlage möglicherweise den gewünschten Klang herstellen (lauter, höher, metallischer), sollten aber nur punktuell sowie gezielt als Stilmittel eingesetzt werden, da sie sonst ein gesundes Funktionieren der Stimme insgesamt verhindern. Dauerhaft angewandt führen sie schließlich zu vorzeitiger Ermüdung, zu Schrillheit oder Rauheit der Stimme oder sogar zu Stimmschäden. Die Orientierung an einem bestimmten "Idealklang" birgt immer die Gefahr von Einseitigkeit. Ein guter Unterricht geht nicht von einer solchen ästhetischen Prämisse, sondern von den physiologischen und funktionalen Gegebenheiten der menschlichen Stimme aus, die von Wissenschaftlern verschiedenster Art in jahrelanger Arbeit eingehend erforscht wurden. Dabei wurde herausgefunden, dass Kunstgesang für den Körper Schwerstarbeit darstellt, und es wurden Methoden entwickelt, diese Arbeit so effektiv wie möglich zu machen. Zusammenhänge erleben Wahrnehmung Der Schwerpunkt des fortgeschrittenen Übungsstadiums liegt auf der Differenzierung: Das rhythmische Zusammenspiel von Kehlkopf- und Atemmuskeln soll nun unabhängig von Körperhaltung und -bewegung vor sich gehen. Dies ist etwa für Sänger und Sängerinnen sehr wichtig, die ihre Bewegungs- und Mimikmuskulatur für den schauspielerischen Ausdruck brauchen, die aber leider oftmals gezwungen sind, eine unpassende Haltung oder Mimik anzunehmen. Aber nicht nur aus diesen Gründen ist das Erlernen der Unabhängigkeit so wichtig. Verdeutlichen wir uns nochmals, wie fein und empfindlich der Kehlkopf aufgebaut ist - handelt es sich doch stets um Millimeterarbeit - so wird klar, dass die großen und groben Muskeln wie Rachenring-, Kau-, und Bauchmuskeln eine solche Feinregulierung nur allzu leicht stören können. Da wir jedoch fast alle liebgewordene Gewohnheiten - auch beim Singen - haben, gilt es, ungünstige Verhaltensweisen allmählich durch günstigere zu ersetzen. So werden den großen Muskeln ihnen angemessene Bewegungen aufgetragen, allerdings nur solche, die hilfreich für die Stimmfunktion sind. Dadurch wird den Kehlkopfmuskeln ihre Arbeit ermöglicht. Die Bauchmuskulatur etwa ist viel zu groß und undifferenziert, um den Luftdruck unterhalb der Stimmlippen richtig dosieren zu können. Sie wird aber oft übermäßig angespannt und verhindert so eine flexible Atmung. Die Bauchmuskeln sollten lediglich für den langsamen Ausgleich des Entspannungsdrucks sorgen, während die Zwischenrippenmuskeln für die Beibehaltung der Einatemtendenz und für kurzfristige Druckänderungen verantwortlich sind und die Stimmlippen selbst, die mit einer hochsensiblen Schleimhaut ausgerüstet sind, die Feinstregelung übernehmen. Es ist also immer ein bewegliches Zusammenspiel der Muskeln gefragt, niemals ein starres Festhalten. Hat man schließlich die Unabhängigkeit der Stimmfunktion gelernt, so kann man auch wieder auf große Bewegungen verzichten; die großen Muskeln werden ihren kleineren Kollegen nicht mehr "ins Handwerk pfuschen". Dieses Ziel ist natürlich weit und wird schrittweise erreicht: von großen zu kleinen Bewegungen, in der Wahrnehmung von außen nach innen.
Wie sieht nun also das Idealbild des Singens aus? Der Brustkorb ist geweitet und die Einatemtendenz wird beibehalten. Der Kehlkopf ist elastisch tiefgestellt. Der Vokaltrakt ist offen und beweglich. Störende Aktivitäten sind ausgeschaltet. Die Zunge ist beweglich. Alle beteiligten Muskeln sind kräftig und flexibel. Die/der Singende ist in der Lage, Lautstärke, Tonhöhe, Vokalfarbe, Artikulation u.s.w. unabhängig voneinander zu regulieren; die Stimmfunktion ist so unabhängig, dass Körperhaltung und -bewegung als Ausdrucksmittel genutzt werden können. Die genannten Hinweise und Hilfen können und wollen nur Beispiele sein, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit und generelle Anwendbarkeit erheben, denn natürlich richten sich Art und Umfang der Übungen ganz nach den individuellen Bedürfnissen des Schülers bzw. der Schülerin. LehrerpersönlichkeitHier kommen wir noch auf ein ganz wichtiges Thema zu sprechen - die Lehrerpersönlichkeit. Sie versteht sich keinesfalls als großes Vorbild, dem es möglichst ähnlich zu werden gilt, sondern ihre Aufgabe besteht vor allem im Hören und Beobachten, im genauen Erkennen der psychischen und physischen Gegebenheiten und im einfühlsamen Hinführen auf eine physiologische Stimmfunktion. Dieser Weg führt immer nur über die Eigenwahrnehmung des Sängers/der Sängerin, denn es gilt der Grundsatz: Die optimalen physiologischen Bedingungen sind zugleich die optimalen akustischen Bedingungen. Die optimalen physiologischen Bedingungen aber können nicht anders gefunden werden als über die Schulung und Sensibilisierung der Wahrnehmung besonders im Kehlkopfbereich, denn nur darauf kann man sich verlassen, wenn z.B. die Akustik eines Raumes ungewohnt ist. SängerformantDie optimalen akustischen Bedingungen stellen sich ein, wenn die physiologischen Voraussetzungen in der oben beschriebenen Weise erfüllt sind. Dann kommt es auch zur Entstehung des sogenannten Sängerformanten - einer Verstärkung der Eigenresonanz des oberen Kehlkopfbereichs, die bei allen Menschen etwa bei 3000 Hz liegt. Dieser Sängerformant verleiht der Stimme Tragfähigkeit und Schönheit, unabhängig von Tonhöhe und Lautstärke. Eine Frequenzanalyse kann diesen ausschlaggebenden „Gesangsformant“ nachweisen. Ein Sänger singt nur mit sehr viel Kraft und Druck, weil ihm das subjektiv das Gefühl von großer Lautstärke gibt. Analysen zeigen aber das mit weniger Krafteinsatz und geringerem Druck eine bessere Tragfähigkeit des Klangs erzielt wird. Diese Elemente seien hier noch einmal genannt:
Hat man das alles erreicht, so ist schon viel gewonnen: Das Singen wird weniger anstrengend, auch lange Proben können stimmlich durchgehalten werden, der Klang wird freier, runder, homogener. Wichtig ist der Hinweis, dass niemand sich körperlich überfordert und deshalb eine gute Selbstwahrnehmung entwickelt. AutorDieser wunderbare Beitrag stammt von Anne Ciba, ergänzt mit Worten von Prof. Sigrid Agocsi, (London), und wurde nur geringfügig geändert sowie in seinem Sinn erhalten. Anne Ciba ist Certified Rabine Teacher und hat das Funktionale Stimmtraining entwickelt, eine zeitgemäße, auf physiologischen Erkenntnisen fußende Stimmbildungsmethode. Dieses Training, das mit gezielten Bewegungsübungen verbunden ist, erweitert Möglichkeiten und Belastbarkeit des Stimmorgans und fördert die Homogenität des Gesamtklangs. Diese Art des Trainings ist ein nützlicher Bestandteil meines Gesangsunterrichtes.
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